Kategorie: Gesundheit & Forschung · Lesezeit: ca. 4 Minuten
Seit vielen Jahren sagen mir Teilnehmende nach dem Training Sätze wie: „Mein Knie fühlt sich heute besser an.“ Oder: „Ich schlafe seit ein paar Wochen ruhiger.“ Mir reicht das als Erfahrung im Unterricht. Schön ist es aber, wenn auch die Forschung hinschaut. Genau das ist jetzt geschehen.
Was wurde untersucht?
Ein Forschungsteam um Chen WX hat 2026 im British Journal of Sports Medicine eine sogenannte Umbrella-Review veröffentlicht. Dabei werden nicht einzelne Studien betrachtet, sondern ganze Meta-Analysen zusammengeführt. Hier waren es 92 Meta-Analysen mit insgesamt 1.744 randomisierten kontrollierten Studien. Untersucht wurden Taijiquan, Qigong und verwandte Übungsformen wie Baduanjin, Wuqinxi und Yijinjing bei Beschwerden des Bewegungsapparats. Am häufigsten ging es um Arthrose, außerdem unter anderem um Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Fibromyalgie und Osteoporose.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Knie-Arthrose: In mehreren Analysen zeigten sich deutliche Verbesserungen bei Schmerz, Steifigkeit und Beweglichkeit sowie bei der Lebensqualität.
- Rückenschmerzen: Auch bei kürzeren Trainingszeiträumen fanden sich deutliche Effekte.
- Knochendichte: Bei Osteopenie und Osteoporose waren kleine bis mittlere Verbesserungen der Knochendichte an Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals zu sehen. Sie zeigten sich bei regelmäßigem Training über längere Zeit.
- Schlaf und Stimmung: Bei Nackenschmerzen und Fibromyalgie berichteten die Studien von Verbesserungen bei Schlafqualität und psychischem Befinden.
Die Autorinnen und Autoren stufen die Aussagekraft der Ergebnisse insgesamt als hoch ein.
Wie viel Üben ist nötig?
Die größten Effekte zeigten sich bei mehr als drei Einheiten pro Woche, etwa 150 Minuten insgesamt und einer Dauer von sechs Monaten oder länger. Auch weniger Training brachte aber messbare Verbesserungen, wenn auch kleinere. Für mich ist das die wichtigste Botschaft: Regelmäßigkeit zählt mehr als Perfektion. Zweimal pro Woche im Kurs und ein paar Minuten zuhause sind ein guter Anfang.
Warum passt das so gut zu Taijiquan und Qigong?
Die Studie liefert dazu nur Vermutungen, keine Beweise. Ich sehe es aus der Praxis so: Die Bewegungen sind langsam, fließend und gelenkschonend. Das Gewicht wandert bewusst von einem Bein auf das andere, die Atmung begleitet jede Bewegung, und die Aufmerksamkeit bleibt im Körper. Das schult Gleichgewicht, Kraft und Körperwahrnehmung, und es lädt zur Ruhe ein. Auch das gemeinsame Üben in der Gruppe hat seinen eigenen Wert.
Wichtig zur Einordnung
Eine Umbrella-Review ist eine starke Form der Evidenz, aber sie bleibt eine einzelne Arbeit. Taijiquan und Qigong ersetzen keine ärztliche Behandlung. Sie können sie sinnvoll ergänzen. Wenn du Gelenkbeschwerden oder Osteoporose hast, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du mit dem Training beginnst. Im Unterricht passe ich die Übungen gern an deine Möglichkeiten an.
Komm einfach vorbei
Du musst nichts mitbringen außer bequemer Kleidung und Neugier. Vorkenntnisse sind nicht nötig, jeder übt in seinem eigenen Tempo.
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Quelle: Chen WX et al., British Journal of Sports Medicine 2026, doi:10.1136/bjsports-2026-111792; vorgestellt von der AGTCM e.V. am 25.09.2026.
Quellen: